FIFFs humanitäre Ursprünge
Dieses Jahr feiert das FIFF seine 40. Ausgabe. Das war auch eine Gelegenheit, auf die Anfänge des Festivals in Freiburg zurückzublicken.
Alexandre Ducommun 23. Februar 2025
Die Sektion «Neues Territorium» der 39. Ausgabe des Internationalen Filmfestivals Freiburg lädt das Publikum ein, einen Einblick in das zeitgenössische srilankische Kino zu gewinnen. Wir haben den aus Sri Lanka stammenden tamilischen Regisseur Keerthigan Sivakumar getroffen, der diese Filmauswahl kuratiert.
Natürlich ist es unmöglich, all seine Vielfalt wiederzugeben. Ich habe meine ersten 19 Jahre in Sri Lanka verbracht und dort das einheimische Kino von innen heraus kennengelernt, das stark vom indischen Massenkino beeinflusst war. Überraschenderweise habe ich die vielen Facetten des srilankischen Kinos erst kennengelernt, als ich das Land verlassen habe. Viele Filme, die auf dem internationalen Markt bekannt sind, sind innerhalb des Landes aufgrund der darin enthaltenen Kritik an der Gesellschaft, der Regierung oder dem Bürgerkrieg nur schwer oder gar nicht zugänglich. Dieser doppelte Blick hat sich auf die Auswahl für das FIFF ausgewirkt. Zweitens haben wir beschlossen, uns auf das letzte Jahrzehnt zu konzentrieren, da in diesem Jahrzehnt eine Generation junger tamilischer Filmschaffender in einer überwiegend singhalesischen Industrie heranwächst.
Das srilankische Kino wird auch von Exilanten der ersten oder zweiten Generation repräsentiert. Ich denke, dass dies ein zusätzlicher Reichtum ist, da diese Filme einerseits einen Blick auf Sri Lanka, andererseits aber auch auf andere Länder werfen. Wenn ich mich selbst als Beispiel nehme, als Regisseur, der seit 2009 in der Schweiz lebt, betrachte ich meine Filme als ebenso schweizerisch wie srilankisch. Die eigene Geschichte von aussen zu erzählen, bietet eine interessante Perspektive. Die Auswahl bietet übrigens eine Parallele in drei Zeiträumen: am Ende des Bürgerkriegs, fünf Jahre später und zehn Jahre danach.
Zunächst gab es eine Vorauswahl von Filmen für das Festival. In einem zweiten Schritt nahmen wir Kontakt mit den betroffenen Regisseuren und Regisseurinnen auf, um uns über ihre aktuelle Situation auszutauschen. Es war für mich unerlässlich, mich direkt mit ihnen auszutauschen und ihr Einverständnis einzuholen, denn einige befinden sich aufgrund der politischen Perspektive ihres Films in einer heiklen Situation. Ein künstlerisches und kritisches Projekt zu tragen, ist bereits ein enormes Risiko, vor allem für diejenigen, die in Sri Lanka leben. Dieser langwierige Prozess dauerte fast vier Monate und erforderte mehrere Auswahlrunden.
Ich bin sehr neugierig, denn ich habe den Eindruck, dass das srilankische Kino vielleicht nicht sehr bekannt ist. Andererseits bin ich mir sicher, dass fast jeder in der Schweiz einen Bezug zu Sri Lanka hat, sei es durch einen Bekannten, einen Schulkameraden oder als Urlaubsziel. Seit dem Ende des Bürgerkriegs im Jahr 2009 setzt die Regierung stark auf den Tourismus, um ihre Wirtschaft und ihre internationale Ausstrahlung zu sichern. Wenn die am FIFF programmierten srilankischen Filme diesen manchmal oberflächlichen Blick auf das Land vertiefen, ist das für mich schon ein riesiger Erfolg. Diese Filme dienen auch dazu, gewisse stereotype Darstellungen der Medien über Sri Lanka zu überwinden und die Realität seiner Bewohnerinnen und Bewohner zu zeigen.
Es gibt einen Film, den ich besonders hervorheben möchte: «Dark Days of Heaven» von Mathi Sutha. Dieser komplett auf Smartphones gedrehte Spielfilm zeigt die letzten Momente des Krieges aus nächster Nähe aus der Vanni-Region, einer der am stärksten von den Konflikten betroffenen Regionen. Der Film wurde durch Spendenaufruf finanziert und ist auch zwei Jahre nach seiner Veröffentlichung kaum zu sehen. Ich freue mich darauf, die Kraft dieses Kinos trotz der Einfachheit seiner Vorrichtung auf der großen Leinwand zeigen zu können.