«Wir sind Experten  in eigener Sache»
Damian Bright. © Sandro Imhasly/Pro Infirmis

«Wir sind Experten in eigener Sache»

Die Fragen stellte Teresa Vena 19. September 2025

Damian Bright lebt mit einer kognitiven Behinderung in Folge einer Trisomie 21. Der 34-Jährige möchte ein selbstbestimmtes Leben führen, dazu gehört für ihn auch, den Beruf des Schauspielers auszuüben.

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Wie präsent sind Menschen mit Behinderung im Schweizer Film?

In der Schweiz sind Menschen mit Behinderung unsichtbar und im Schweizer Film sowieso. Wenn sie überhaupt vorkommen, dann meist beim Schweizer Fernsehen in Dokumentarfilmen, in denen sie als eher bemitleidenswerte Wesen dargestellt werden, die das Leben ihres Umfelds durcheinander bringen. Fachpersonen aus Institutionen erklären dann, wie diese Menschen besser leben könnten. In Spielfilmen setzt man lieber auf nichtbehinderte Schauspieler, die eine behinderte Person spielen, so wie in «Vielen Dank für Nichts» mit Joel Basman als Rollstuhlfahrer oder in «Stöffitown» von Christoph Schaub. Ich würde mir zutrauen, solche Rollen selbst zu spielen.

Wieso ist das, Ihrer Meinung nach, so?

Man glaubt, dass man diese Menschen in Filmen nicht brauchen kann, da sie zu «unberechenbar» seien. Sie würden alles verzögern, und den Dreh dadurch teurer machen.

Wie kann man diesen Berührungsängsten begegnen?

Indem man sich begegnet. Dabei helfen Schulungen, wie ich sie selbst an Schulen, in Museen und anderen Orten gebe. So erkennen die Menschen: Wir sind Experten in eigener Sache. Und es braucht vor allem guten Willen. In jedem Film liesse sich problemlos jemand mit Blindenstock, Rollstuhl, Gebärdensprache oder einen Menschen wie mich in einer Statistenrolle, als Onkel, Bruder, Freund der Protagonisten unterbringen. Filmschaffende würden bemerken, dass es geht.

Benötigen Sie Unterstützung, um eine solche Rolle zu übernehmen?

Als Statist benötige ich keine Unterstützung, so lange die Kommunikation im Vorfeld gut ist. Die Anfragen und die Korrespondenz im Vorfeld kann ich nicht wirklich selbstständig bewältigen. Für eine Sprechrolle würde ich vermutlich einen Coach brauchen. Ich bin aber weitgehend selbständig, wenn es um die Schauspielerei geht. Ich reise selbst, ich verstehe schnell, ich bin diszipliniert, ich bringe gute Laune aufs Set.

Welche Möglichkeiten gibt es für Sie im Schweizer Film?

Vor über zehn Jahren habe ich mehrfach als Statist mitgewirkt. Es hat mir auch Spass gemacht, aber für eine Nebenrolle hat es nie gereicht. Irgendwann wurde es mir zu mühsam. Ich bin zurzeit in keiner Agentur angemeldet. Manchmal erhalte ich Aufträge, durch Personen, die schon mit mir zusammengearbeitet haben. Ich habe meist Zeit, da ich selbstständig arbeite, andere Schauspieler mit Behinderung arbeiten künstlerisch auf dem institutionellen, zweiten Arbeitsmarkt und sind von ihren Institutionen abhängig.

Deshalb Ihr Fokus auf das Theater?

Meine Karriere begann bei der Musikschule Küsnacht mit fünf Jahren, beim Theater HORA in Zürich machte ich eine Schauspielausbildung. Ich bin mit der Produktion «Disabled Theater», die in Zusammenarbeit mit dem französischen Choreografen Jérôme Bel entstanden ist, um die ganze Welt gereist. Ich habe auch mein eigenes Stück «I belong» entwickelt, das meine persönliche Geschichte erzählt und trete damit auf. Das Stück entstand während meiner CAS-Weiterbildung an der Accademia Teatro Dimitri. Ich habe es an mehreren Orten, wie im Rahmen des Theaterfestes in Chur, aufführen dürfen. Regelmässig ist es auch Teil von Workshops in Schulen. Ich habe noch weitere Stücke als Tanz selbst einstudiert und aufgeführt.

Sieht es ausserhalb der Schweiz anders aus?

In den USA war Chris Burke als Corky in der Serie «Lifes Goes On» (1989-1993) von ABC zur besten Sendezeit vertreten. Heute ist in Deutschland Carina Kühne, unter anderem seit ihrer Hauptrolle in «Be my Baby» (2014), regelmässig in Filmen zu sehen. In Grossbritanien sind viele Schauspieler mit Behinderung unterwegs. Sarah Gordy, die wie Carina Kühne und ich, mit Trisomie 21 lebt, spielt in vielen TV-Serien und Filmen mit. Auch in Spanien gibt es tolle Beispiele, wenn man sich Filme wie «Yo, también» (2009) ansieht.

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